„Vitalparameter“ der Erde erreichen neue Rekordwerte

(c) pixabay

Zwei Drittel der Indikatoren, die den Zustand der Erde beschreiben, befinden sich auf alarmierendem Rekordniveau. Das zeigt eine Studie, die vor kurzem veröffentlicht worden ist.

2024 brachte einen neuen Rekord bei der Oberflächen-Temperatur. Der Trend könnte sich aufgrund des verringerten Kühleffekts durch Aerosole, Wolken und eines dunkleren Planeten weiter verstärken. Das ist eine der Hauptaussagen eines Berichts („State of the Climate Report“) von Klima-Wissenschaftlern, die international zusammengearbeitet haben. Er wurde in „BioScience“ veröffentlicht und ist von Experten der Oregon State University und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) verfasst.

„In den letzten Jahren haben wichtige Vitalparameter wie Oberflächentemperatur, Wärmegehalt der Ozeane, Meereisverlust und durch Brände verursachter Waldverlust außergewöhnlich deutlich neue Rekorde erreicht”, sagt PIK-Direktor Johan Rockström, ein Co-Autor des Reports. 2024 war bei der globalen Mitteltemperatur das heißeste Jahr, seit es Aufzeichnungen gibt – und möglicherweise das heißeste seit „zumindest 125.000 Jahren“ (siehe Anmerkung weiter unten, Anm.d.Red.)

„Entschlossen und schnell handeln“

„Strategien zur Eindämmung des Klimawandels sind verfügbar, kostengünstig und werden dringend gebraucht. Wir können die Erwärmung immer noch begrenzen, wenn wir entschlossen und schnell handeln“, sagt William Ripple, Professor an der Oregon State University und einer der Leitautoren. „Aber das Zeitfenster schließt sich. Ohne wirksame Strategien werden wir rapide steigenden Risiken begegnen, die den Frieden, die Regierbarkeit, die öffentliche Gesundheit und die Ökosysteme gefährden.“

In ihrer Arbeit weist das Wissenschaftler-Team nach, dass das Erreichen von „tipping points“ angesichts der derzeitigen Entwicklungen wahrscheinlicher wird. Dies sind Grenzbereiche, bei deren Überschreiten Veränderungen ausgelöst werden können, deren Ausmaß nicht mehr vorhergesagt werden können. In diesem Zusammenhang werden die zuletzt festgestellten Veränderungen in der thermohalinen Zirkulation im Atlantik (Golfstrom) mit Besorgnis verfolgt.

Geringe Verbesserungen mit großen Auswirkungen

„Tipping points“ gebe es allerdings auch im Positiven – denn bereits ein kleiner Kreis könne in der gesellschaftlichen Debatte einen Schwenk zum Positiven und zum ökologisch Verträglichen bewirken.

In einer Aussendung des PIK heißt es dazu abschließend: „Jedes Zehntelgrad vermiedene Erwärmung wiegt schwer für das Wohlergehen von Mensch und Umwelt. Selbst geringe Verbesserungen haben große Auswirkungen auf das Risiko von Extremwetterereignissen, Biodiversitätsverlust, Nahrungsmittel- und Wasserknappheit sowie die Risiken durch das Überschreiten wichtiger Kipppunkte. Ein Aufschieben von Maßnahmen führt zu höheren Kosten mit schwerwiegenderen Konsequenzen, betont das Forschungsteam, während sich schnelle, koordinierte Maßnahmen unmittelbar weltweit für Bevölkerung und Ökosysteme auszahlen.

Einige der Kernaussagen der Studie

  • Weltbevölkerung, die Zahl der Wiedeerkäuer, Fleischkonsum und Brutto-Inlands-Produkt der Welt sind auf einem Rekordniveau.

  • Der Konsum von fossilen Energien hat einen Rekordwert erreicht. Windkraft und Photovoltaik sind gestiegen, aber der Wert liegt – verglichen mit den fossilen Energien – 31-mal niedriger.

  • Bisher ist im Jahr 2025 das atmosphärische Kohlendioxid auf Rekordhöhe. Dabei spielt vermutlich die geringere Aufnahmekapazität des Bodens (bedingt durch den El Niño-Effekt und die Waldbrände) eine Rolle.

  • Waldbrände sind auf einem Rekordniveau, Brände in tropischen Primär-Wäldern haben gegenüber 2023 um 370% zugenommen.

  • Erwärmung der Ozeane ist auf einem Rekordlevel, sodass 84% aller Riff-Regionen beeinträchtigt sind.

  • Das Eis in Grönland und der Antarktis sind durch Rekordverluste gekennzeichnet.

  • Unwetter bedingen Opfer und Verluste in Rekordhöhe.

  • Es vermehren sich die Anzeichen, dass durch die Klimakrise die Vielfalt der Arten kollabiert.

Diese Parameter wurden analysiert        

Erdbevölkerung

Geburtenrate

Nutztierhaltung

Fleischkonsum

Welt-BIP

Globaler Verlust von Wald

Verlust von Amazonas-Regenwald

Energieverbrauch

Förderungen für fossile Energien

Treibhausgas-Emissionen

Anteil von Treibhausgasen, die von einer Steuer erfasst werden

CO2-Preis

Assets, die zum Ziel haben, aus der Anlage für fossile Energien auszusteigen

Regierungen, die eine Klimakrise erklärt haben

CO2-Emissionen

Methan-Emissionen

Emissionen von Distickstoffoxid

Veränderung der Oberflächen-Temperatur

Änderung der Ozean-Wärme

pH-Wert des Ozeans

Erhöhung des Meeresspiegels

Anzahl der Hitze-Tage

Minimum der Eisabdeckung der Arktis

Eismasse in Grönland

Eismasse in der Antarktis

Änderung des Dicke von Gletschern

Energie-Inbalance der Erde

Durchschnittliche globaler Albedo (Rückstrahlung ins All, Anm.d.Red.)

Ausdehnung der Waldbrände in den USA

Ausdehnung der Waldbrände weltweit

Anmerkung zu „zumindest 125.000 Jahre: Die Aufzeichnungen der Temperaturen gibt es – je nach Land und Standort – unterschiedlich lange. So gehen in Deutschland einzelne Messreihen bis 1719 (Berlin) und 1781 (Societas Meteorlogicas Palatina) zurück, in Österreich bis 1775 (Wien) und in der Schweiz bis 1764. Global gilt 1851 als Start globaler Temperatur-Aufzeichnungen aufgrund der Forschungen des Hadley Centre , allerdings ist die Daten-Dichte je nach Weltgegend unterschiedlich. Seit mehr als 50 Jahren schließen Satelliten-Messungen diese Datenlücken. Punktuell gibt es auch Temperatur-Aufzeichnungen aus dem Mittelalter, deren Analyse allerdings zusätzlicher Methoden bedarf. In der Erdgeschichte weiter zurück gehen Auswertungen von Baumrinden oder Eisbohrkernen. Eingeschlossene Luftbläschen lassen einen Rückschluss auf die CO2-Konzentration zu, zumdem ist anhand der Isotopen ein Rückschluss auf die Temperatur möglich.


Mehr:

Web-Link The 2025 state of the climat report: a planet on the brink

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