Chile: „Ein schwerer Schlag für die Ökosysteme“

Universidad Gletscher in Chile (c) Ayala Pellicciotti, Thomas-Schatter

Die Wüste breitet sich in den Anden aus, von Nord nach Süd. Was Wissenschaftler jetzt entdeckt haben, blieb Klimaszenarien bisher verborgen: eine Dürre ungeahnten Ausmaßes.

Eine Dürre ohne Ende: Dieses Szenario könnte für Chile in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts zur bitteren Realität werden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Wissenschaftler aus Österreich, der Schweiz, Neuseeland und Chile durchgeführt haben.

In Chile herrscht bereits seit 15 Jahren eine Dürre – Chile droht, die Wasserressourcen zu verlieren. Ausgehend von dieser Realität hat Francesca Pellicciotti, Professorin am „Institute of Science and Technology Austria“, gemeinsam mit den beiden chilenischen Geowissenschaftlern Álvaro Ayala und Eduardo Muñoz-Castro und weiteren Forschenden ein Klimaszenario bis zum Jahr 2100 modelliert.

100 Anden-Gletscher untersucht

Pellicciotti: „Klimawissenschaftler haben erst 2015 erkannt, dass die in Chile anhaltende Dürre wirklich ein großes Problem ist. Die Megadürre in Chile wurde in keinem Klimamodell vorhergesagt.“

Um eine Idee von den bevorstehenden Entwicklungen zu bekommen, haben sich die Forschenden in den Süden Chiles begeben und die Gletscher in dieser Region genauer unter die Lupe genommen. Dabei haben sie sich auf die 100 größten Gletscher der südlichen Anden konzentriert. Die Arbeit wurde im Journal „Communications Earth & Environment“ im November veröffentlicht.

Diese Zonen sind für die Wasserversorgung in Chile von wesentlicher Bedeutung, zumal sich im Norden des Landes die Wüste Atacama ausbreitet. Das semiaride Zentralgebiet ist somit auf Schnee und das Wasser aus dem Süden angewiesen. Es kommt aus den Gletschergebieten. Die kleineren vereeisten Gebiete wurden nicht untersucht – aber es ist evident, dass sie auf ein wärmer werdendes Klima noch empfindlicher reagieren.

Trockenheit breitet sich langsam aus

Álvaro Ayala: „Die kleineren Gletscher werden bis dahin wahrscheinlich verschwunden sein, und eine zukünftige ,Chile 2.0‘-Megadürre wird sehr wahrscheinlich einen schweren Schlag für ihre Ökosystem bedeuten.“ Summa summarum bestärken die Forschungsergebnisse die Annahme, dass am Ende dieses Jahrhunderts mit einer ausgeprägten Trockenheit zu rechnen sein wird.

Das Wort „Wüstenbildung“ sei kaum noch zu umgehen, so Ayala weiter. „Wir beobachten, wie sich dieses Muster langsam von Norden nach Süden ausbreitet.“

Dass das Ausmaß dieser Dürre in Klimamodellen nicht aufgetaucht ist, verwundert das Forscherteam nicht. „Es besteht allgemein Einigkeit darüber, dass allgemeine Modelle die Extreme unterschätzen“, so Pellicciotti. „In Prognosen, die sehr schwere Szenarien berücksichtigen, können wir tatsächlich Megadürren vorhersehen. In gemäßigteren Szenarien ähneln die Niederschlagsmuster jedoch eher denen, die wir heute erleben.“

Häufiger, heißer, großflächiger

Wirkliche Sicherheit gibt es in diesem Forschungsgebiet allerdings nicht: Für die Wissenschaft ist es schwierig, Megadürren zu definieren. Derzeit werden sie anhand ihrer Auswirkungen auf die Vegetation so gekennzeichnet.

In der Erforschung von Trocken-Perioden ist möglicherweise ein weiterer Puzzlestein gelegt worden: Pellicciotti war im Vorjahr an einer Studie beteiligt, in der globale Daten der vergangenen 40 Jahre einer erneuten Prüfung unterzogen worden sind. Sie bestätigten, dass mehrjährige extreme Dürren häufiger, heißer und großflächiger werden.

Diese Erkenntnisse sind es auch, die das Forscherteam Beschleunigung und Nachhaltigkeit von den politisch Verantwortlichen fordern lassen; Beschleunigung und Nachhaltigkeit bei Maßnahmen, um den fortschreitenden Dürren etwas entgegenzusetzen.


Mehr:

news1155-link Trocken-Gebiete wachsen um die Fläche der Schweiz

Web-Link Studie: „Less water from glaciers during future megadroughts in the Southern Andes“

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