Einen anderen Blick auf den Esstisch ermöglicht der „Konzernatlas“, der am Mittwoch von Umweltorganisationen veröffentlicht worden ist.
Es sind weltweit jeweils vier Konzerne, die 61 Prozent des Pestizidmarkts, 56 Prozent des Saatguts und 43 Prozent der Landmaschinen beherrschen: Das sind drei Zahlen aus der aktualisierten Auflage des „Konzernatlas’“, der am Mittwoch veröffentlicht worden ist.
Zusammengestellt und herausgegeben wurde er von Experten der Heinrich Böll-Stiftung, des „Bundes für Umwelt und Naturschutz“ (BUND), des Dachverbands deutscher Aktionärinnen und Aktionäre sowie der Umweltogrnaisation Global 2000. Auf den 56 Seiten wird der Fokus auf die Lebensmittel- und Agrar-Unternehmen gerichtet.
Anna Leitner, Ressourcen-Sprecherin bei Global 2000 und Verfasserin dreier Kapitel im Konzernatlas, kritisiert, dass auf dem österreichischen Agrar- und Lebensmittelmarkt die Marktkonzentration bei 90 Prozent liege. Leitner: „Die Preise für Lebensmittel sind in den vergangenen fünf Jahren der realen Kaufkraft davongaloppiert.“
Außer Rand und Band
Konkret sei die Inflation von 2021 bis Mitte 2025 in Österreich um 27,7% gestiegen, für Lebensmittel insgesamt aber um 36% – mit einzelnen Ausreißern bei der Teuerung:
- 67% – Oliven
- +53,2% – alkoholfreie Getränke
- +45% – Kartoffeln
- +43% – Zucker
- +43% – Butter
- +41% – Gemüse
- +37% – Fleisch und Fleischwaren
- +35% – Brot
- +34% – Milch, Käse, Eier
- +34% – Fisch
- +33% – Reis
- +23% – Teigwaren, Couscous
- +15% – Obst
Leitner wirft der Agrar- und Lebensmittelbranche vor, die Preise in die Höhe zu treiben und sich damit „Über-Gewinne“ zu erwirtschaften.
Kaum anders in Deutschland
In Deutschland ist die Situation kaum anders: Hier beherrschen die vier großen Supermarktketten Aldi, Edeka (mit Netto), Rewe (mit Penny) und die Schwarz-Gruppe (mit Lidl und Kaufland) inzwischen rund 88 Prozent des Lebensmittelhandels – 1995 waren es noch 55 Prozent.
Damit gehe einher, dass auf der politischen Bühne der Einfluss von Agrar- und Lebensmittel-Lobbyisten wächst. Dazu heißt es in der Presseaussendung der Böll-Stiftung: „Allein neun Lobbyorganisationen gaben zwischen 2020 und 2023 mehr als 50 Millionen Euro aus, um eine 50-prozentige Pestizidreduktion im Rahmen der EU-Farm-to-Fork-Strategie zu verhindern – mit Erfolg.“ Und Leitner ergänzt: „Die Lobbyisten aus dem Bereich der Landwirtschaft und der Lebenmittelproduktion trafen sich allein 52-mal zwischen Juli 2024 und Juli 2025 mit österreichischen EU-Abgeordneten.“
„Mitmach-Supermärkte“
Die Global 2000-Expertin streicht außerdem die Aktivitäten von Initiativen heraus, die eine Lebensmittel-Produktion jenseits des Wachstums- und Profitdrucks organisieren. Als Beispierl führt sie eine „Mitmach-Supermarkt“ an, der gemeinnützig aufgezogen wird Operative Kosten werden durch aktive Mitarbeit der Mitglieder gesenkt, die Preise werden damit niedriger gehalten. Ähnlich ist dies bei Genossenschaften, in denen die Waren keine fixen Preis haben, sondern sich jede und jeder im Rahmen der Kapazitäten einbringt – zum Beispiel durch Mithilfe bei der Ernte. Es wird kein Gewinn erzielt, wodurch lediglich die operativen Kosten anfallen.
Mehr:
Web-Link Konzernatlas: Hintergründe und Trends + deutsche Ausgabe
Web-Link Konzernatlas: Österreichausgabe des Konzernatlas‘:

















