Wie die USA der Welt den Rücken kehren

(c) pixabay

Überraschend kommt die Abkehr von Organisationen und Fach-Gremien nicht. Der Schritt der Trump-Administration wird vor allem eine Frage des Geldes.

 

Auch wenn man sich an das Getöse erst hat gewöhnen müssen: Mittlerweile sind die Ankündigungen aus Washington D.C. genauso wenig überraschend wie die Umsetzungen. Und der Schein trügt nicht, wenn man den Eindruck hat, dass Trump und seine Leute in der zweiten Amtszeit stärker nach Plan vorgehen als in der ersten.

Die US-Abkehr von Gremien, Konventionen und Verträgen ist auch zu einem gewissen Grad eine Abkehr von der übrigen Welt. Niemand hat das in den vergangenen Tagen so genau auf den Punkt gebracht wie Donald Trump selbst es getan hat. In einem Interview mit der New York Times hat er auf die Frage nach den Grenzen seiner globalen Macht nicht nur internationalem Recht eine Absage erteiltschlicht und ergreifend erklärt: „Ja, meine eigene Moral, meine eigener Verstand.“

Solche Aussagen sind neu. Auch die Schärfe der Statements und der brachiale Bruch mit bisherigen Usancen auf der Weltbühne sind besorgniserregend, ebenso wie der offene Druck auf die Freiheit der Medien.

International Zick-Zack-Kurs

Aber andererseits ist die Außenpolitik der USA gekennzeichnet von einem Zick-Zack-Kurs auf der internationalen Bühne. Hier haben oft Isolationisten die Oberhand behalten bzw. gewonnen – bis zur nächsten Wahl; oder auch länger.

Der Ausstieg aus der Klimakonvention und vorher schon aus dem Pariser Abkommen kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Welt gut beraten wäre, gemeinsam Anstrengungen gegen die Klimakrise zu intensivieren.

Für die anderen Dutzenden Orgnaisationen, internationalen Arbeitsgruppen und Abkommen, denen die US-Politik den Rücken kehrt, ist dieser Schritt nicht weniger dramatisch. Verbunden ist damit nicht nur der Verlust des intellektuellen Inputs aus den Staaten, sondern vor allem auch eine Erschütterung der finanziellen Basis. Genau das macht auch die Gefährdung des „National Center for Atmospheric Research“ (NCAR) in Boulder, Colorado, eines der renommiertesten klimawissenschaftlichen Forschungs-Zentren der Welt.

Es scheint so, als stehe eine Stunde der Wahrheit bevor: Wie stark ist die Entschlossenheit derer, die einen solchen Eingriff in die Unabhängigkeit der Forschung und die Abkehr der USA von der internationalen Bühne nicht hinnehmen wollen? Wie stark ist der Wille der Mäzene, die mit philantropischem Geld die Finanzierungslücke überbrücken wollen? Wie sehr kann es möglich sein, den Austritt aus formellen Gremien durch den Aufbau informeller Ebenen zu ersetzen?

Mehr als 1900 Universitäten

Ja, wir befinden uns in einer globalen Krise. Sie zeigt auf, welche Fehler beim Krisenmanagement der vergangenen Jahre und Jahrzehnte unterlaufen sind. „Krise“ kann allerdings auch als Wendepunkt begriffen werden.

Das bedeutet: Aus den Fehlern zu lernen, durch Dezentralisierung die Verwundbarkeit zu verringern.

Und: In den USA ist die Zahl der universitären Einrichtungen (mit mehr als 1900) so groß wie nirgendwo sonst. Hier gibt es viele vernünftige Stimmen. Die sind jetzt weniger stark zu vernehmen, weil das Getöse aus dem Weißen Haus andere Stimmen übertönt. Das freilich, ist kein Naturgesetz.

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