Japan bereitet Tiefsee-Abbau voran

(c) Pixabay

Trotz Fehlens einer internationalen Vereinbarung ist am Montag erneut ein japanisches Schiff in See gestochen, um Probebohrungen am Meeresboden durchzuführen.

Bis Mitte Februar sind die Arbeiten anberaumt, die etwa 1850 Kilometer südwestlich von Tokyo in der Nähe einer kleinen Insel, Minamitori, stattfinden werden. Es befindet sich etwa 500 km nordwestlich des Marianengrabens, wo mit 11.034 Metern die bisher größte Merrestiefe gemessen worden ist. Die jetzt geplanten Probebohrungen gehen nicht so tief, sondern auf etwa 6000 Meter.

Ziel der Expedition ist es, Tiefsee-Schlamm an die Oberfläche zu bringen und abzuklären, inwieweit Seltene Erden im Schürfgut vorhanden sind und ob ein Abbau wirtschaftlich darstellbar ist. Konkret geht es dabei nicht nur um Mangan, sondern auch um Kupfer, Kobalt und Nickel.

Nach siebenjähriger Entwicklung will das Meeresboden-Programm nun zur Tat schreiten. Das Programm wird vom Cabinet Office der japanischen Regierung getragen; Direktor des Programms „Nationale Plattform für innovative Ozeanentwicklungen“ ist Shoichi Ishii. Das Schiff „Chikyu“ fährt unter der Flogge der japanischen Agentur für Meeres- und Erdwissenchaften und -Technologie.

Zwischenfall mit China

Dezidiertes Ziel dieser Mission ist, täglich 350 Tonnen Schlamm zu fördern, der Seltene Erden enthält. „Eines unserer Ziele ist, die Versorgung mit diesen Materialien sicherzustellen. Sie sind von zentraler Bedeutung für unsere Industrie.“ Damit soll auch die Abhängigkeit von diesbezüglichen Importen aus China zu verringern. Berichten zufolgen soll China die Exportquoten nach Japan deutlich reduziert haben.

Außerdem sei es im Mai des Vorjahres zu einem unfreundlichen Akt gekommen: Auch damals war „Chikyu“ bei Minamitori auf einer Tiefsee-Mission. Damals soll, so berichten japanische Quellen, es zu einem Zwischenfall gekommen sein: Ein chinesischer Schiff sei am 7. Juni in die exklusive Wirtschaftszone um die Insel (200 Meilen-Zone) eingedrungen.

Tiefsee-Bohrung unterliegen derzeit einem De facto-Moratorium. In der International Seabed Authority (ISA) ist ein Abbau auf dem Meeresboden allerdings derzeit tabu. Dies soll erst starten, wenn der „Mining-Code“ verabschiedet ist, der die Bedingungen definiert, unter denen ein derartiger Abbau erfolgen soll.

Japan ist sowohl Mitglied der „United Nations Convention on the Law of the Sea“ als auch Mitglied der ISA (und einer seiner Haupt-Geldgeber). Anders als die USA, die seit jeher lediglich einen Beobachter-Status bei der ISA haben und auch nicht Mitglied der UN-Konvention sind.

Rechtlich sind die Akltivitäten Japans unproblemtisch, weil ISA nur für „The Area“ zuständig ist – knapp mehr als die Hälfte des Meeresbodens außerhalb irgendwelcher nationaler Ansprüche.

Vorstoß in „The Area“ ist Tabubruch

Realpolitisch ist der Vorstoß Japans jedoch schon eher ein Tabubruch. Denn bisher hat es keinen komerziellen Abbau von Bodenschätzen in der Tiefsee gegeben. In eine ähnliche Richtung gehen die Aktivitäten von „The Mining Company“, die bei den US-Behörden angesucht hat, eine Untersee-Abbaulinzenz zu erhalten.

Und schließlich hat US-Präsident Trump im April 2025 eine „Executive Order“ zu dem Thema erlassen. Darin werden mehrere US-Ministerien angewiesen, einen umfassenden Bericht zu allen relevanten Fragen des Untersee-Abbaus zu erstellen – auch für Gebiete „jenseits der nationalen Rechtssprechung irgend eines Staates“. Der Bericht ist allerdings überfällig.


Mehr:

Web-Link Trump’s Executive Order. mit der der US-Präsident den Weg frei für Untersee-Bergbau machen will 

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