Den Einstieg in die Debatten des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos bietet der alljährliche „Global Risk Report“. Die Wetterlage trübt sich noch mehr ein.
Ganz ohne thematische Zuordnung sieht eine Mehrheit eine problematische Zeit auf uns zukommen: 42 Prozent meinen, dass kurzfristig die globale Wetterlage „turbulent“ wird, weitere acht Prozent rechnen mit einem „Stürmisch“ – so der Ausblick auf eine Periode von zwei Jahren. Auf mittlere Sicht – zehn Jahre – ist die Annahme, dass es stürmischer werde, weiter verbreitet (19%), „trubulent“ Phasen sehen nur noch 38%. Unruhige Zeiten erwarten also 57%.
Das ist die Gesamteinschätzung von insgesamt 11.000 Befragten, die aus allen Altersgruppen und sozialen Schichten kommen. Sie – und ihre Einschätzungen – bilden den Kern des Reports. Der sich gewissermaßen als Fieberthermometer versteht, um aufzuzeigen, was sich auf der Weltbühne in den nächsten Jahren abspielen. Abspielen könnte, denn der Global Risk Report versteht sich ausdrücklich nicht als ein Prognose-Instrument.
Weltwirtschaft, Kriege
Zur Allgemein-Einschätzung zu ergänzen ist, dass nur ein Hundertsel der Befragten meint, dass das Weltgeschehen „ruhig“ vonstatten gehe. Und nur ein Zehntel (Zwei-Jahres-Sicht: 9%, Zehn-Jahressicht: 10%) glaubt, dass alles „stabil“ bleibe. „Ungewiss“ ist kurzfristig für 40% wahrscheinlich, auf mittlere Sicht aber lediglich für ein knappes Drittel (32%).
Fast ein Fünftel (18%) rechnet mit weltwirtschaftlichen Verwerfungen, 14% mit von Staatem hervorgerufenen bewaffneten Konflikten. Acht Prozent glauben, dass extreme Wetterereignisse das Geschehen bestimmen; die übrigen teilen sich auf Mis- und Desinformation bzw. auf Polarisierung der Gesellschaft auf.
In der Detail-Betrachtung von insgesamt zehn Themen – in einer Perspektive über zwei Jahre – steht an den Top 3 – Positionen der weltwirtschaftliche Clash, gefolgt von Mis- und Desinformation und die Polarisierung. Erst an vierter Stelle werden die extremen Wetterereignisse gereiht. „Tipping Points“ und Biodiversität sind in der Zwei-Jahres-Perspektive regelrecht abgestürzt – sie wurden nur an 24. und 26. Position gereiht.
Andere Sicht auf zehn Jahre
Auf zehn Jahre betrachtet zeigt sich allerdings ein ganz anderes Bild: Die drei wichtigsten Themen sind dann Extreme Wetterereignisse, Biodiversitäts-Verlust und Kollaps von Öko-Systeme sowie kritische Änderungen von Erdsystemen (Erreichen, Überschreiten von „tipping points“, Anm.).
Auf Rang vier der Sorgenliste steht Mis- und Desinformation, auf Rang fünf negative Auswirkungen von künstlicher Intelligenz.
In der gesamthaften Betrachtung wird in vielen Antworten die Ungleichheit als Schlüsselfaktor genannt, ebenso wie Polarisierung und wirtschaftliche Abwärtsspirale.
Soweit die Einschätzungen. Es ist aber kein Logbuch für die Zukunft. Deshalb ist am Ende zu schreiben, was WEF-Direktorin Saadia Zahidi in ihrem Vorwort schreibt: Der Report liefere „keine Vorhersagen und zielt auch nicht darauf ab zu behaupten, dass die Zukunft vorbestimmt sei. „Im Gegenteil: Es zeigt eine Reihe möglicher Zukunftsszenarien, die verhindert oder gemanagt werden können.“
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