Tausende Kilometer naturnahe Flüsse weniger

Eine Studie über die Flüsse am Balkan sind wenig ermutigend. Weniger als ein Viertel können als „naturnah“ bezeichnet werden.

Nicht weniger als 83.844 Flusskiilometer hat Ulrich Schwarz, Wissenschaftler am „Fluvius“-Institut, untersucht und die Erkenntnisse in eionem Bericht zusammengefasst. Die Auftragsarbeit für Euronatur und Riverwatch bringt ernüchternde Fakten zutage.

„Der Zustand der Flüsse am Balkan“ zeigt, dass seit 2013 die Lage bedenklicher geworden ist. Bei den größeren Flüssen ist der Anteil jener, die als „naturnah“ bezeichnet werden konnten, ist von 30 auf 23 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig hat das Ausmaß der Verbauung von Flüssen stetig zugenommen.

Im Detail hat die hydromorphologische Studie, die in allen elf Staaten des Balkans durchgeführt worden ist, dieses Bild gezeichnet

alle Flüssenur größere Flüsse
Natürlich/naturnah27.763 km (33%)8.102 km (23%)
leichte Eingriffe32.441 km (39%)15.306 km (43%)
moderate Eingriffe13.097 km (39%)4.311 km (12%)
starke Eingriffe7.250 km (9%)5.185 km (15%)
sehr starke Eingriffe, Stauhaltung7.250 km (4%)2.626 km (7%)
Gesamtkilometer83.844 km35.530 km

Als „krisenhaft“ beschreibt die Studie den Zustand der Flüsse in Albanien und Bosnien-Herzegowina.

  • In Albanien ist der Anteil natürlicher Flüsse vomn 68 auf 40% gesunken – in lediglich sieben Jahren
  • In Bosnien-Herzegowina ist der Anteil nahezu unberührter Flüsse um 23 Prozent gesunken

Andererseits gibt es gerade in Albanien auch positive Entwicklungen. So wurde hier an der Vjosa und einigen Zuflüssen ein Schutzgebiet ausgewiesen.

Aber trotzdem: „Die langfristigen Trends, die in dieser Studie dokumentiert sind, zeigen einen klaren Rückgang naturnaher Flussabschnitte auf dem Balkan, vor allem durch Stauungen und großflächige Flussveränderungen“, sagt Dr. Ulrich Schwarz, von Fluvius Wien, Autor der Studie. „Während die Region weiterhin einen vergleichsweisen hohen Anteil intakter Flüsse aufweist, weisen diese Trends auf eine wachsende Diskrepanz zwischen aktuellen Entwicklungspraktiken und den im Rahmen einer EU-Mitgliedschaft geforderten Umweltstandards sowie Prinzipien einer nachhaltigen Flussnutzung hin.“

„Die Letzten Wildflüsse“

Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von „Riverwatch“, spricht von einer „Zerstörungswelle“, die „gestoppt werden muss.“ Flüsse im ganzen Land zu schützen, „ist auch im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen ein wichtiger Punkt.“ 

„Während die Flüsse der Region weiterhin ihren natürlichen Charakter verlieren, schließt sich das Fenster für wirksamen Schutz schnell,“ meint Annette Spangenberg, Programmleiterin Fließgewässer bei EuroNatur. „Der Balkan beherbergt noch einige der letzten Wildflüsse Europas, aber ihr Schutz erfordert jetzt politischen Mut, wissenschaftlich fundierte Entscheidungen und einen klaren Kurswechsel weg von zerstörerischen Praktiken.“

Die Organisationen fordern einen Fünf-Punkte-Plan ein:

  • Intakt verbliebene Flüsse müssen durch nationale und internationale Gesetze erhalten, Schutzgebiete müssen erweitert und konsequent umgesetzt werden.

  • Stopp von zerstörerischen Wasserkraftprojekten – besonders in Albanien sowie in Bosnien-Herzegowina, wo die Flussverschlechterung am schnellsten voranschreitet.

  • Einführung eines systematischen Monitorings, damit im Falle eines EU-Beitritts alle Balkanländer vereinheitlichte hydromorphologische Bewertungen vorliegen.

  • Renaturierung geschädigter Flüsse: Dazu gehören die Entfernung von Barrieren, die Wiederverbindung von Auenlandschaften, eine Reduzierung von Kies- und Sandentnahme aus dem Flussbett und naturbasierte Renaturierungsmaßnahmen.

  • Priorisierung von Natur- und Klimafolgenresilienz: Weg von infrastrukturlastigen Flussregulierungen hin zu einem ökosystembasierten Hochwasser- und Dürremanagement.


Mehr:

Web-Link Interaktive Karte https://balkanrivers.net/en/map

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