Das Ergebnis einer Langzeit-Beobachtung von Ornithologen liefert ernüchternde Ergebnisse: Ein Fünftel der untersuchten 198 Stillgewässer ist ökologisch schlechter dran als vor 30 Jahren.
Geduld weitet den Blick – das gilt jedenfalls für die Vogelschutz-Experten, die im Auftrag der Volgeschutz-Organisation „BirdLife Österreich“ die österreichischen Stillgewässer unter die Lupe genommen und dabei zwei Studien miteinander verglichen haben. Der erste Datensatz stammt aus den frühen 1990er Jahren, der aktuelle ist das Ergebnis der Feldarbeit 2024/25.
Damals wie heute wurde das Vorkommen von 38 Brutvogelarten untersucht. Dabei handelt es sich um Brutzeit-Beobachtungen, nicht – wie bei anderen Arbeiten sehr häufig – um Zählungen in den Wintermonaten.
Ein Viertel der Vögel in Feuchtgebieten
Die Areale, in denen sich die Ornithologinnen und Ornithologen auf die Lauer gelegt haben, ist eine Auswahl der Stillgewässer. Ausganspunkt waren 1988 jene, die größer als einen halben Hektar sind und unterhalb einer Seehöhe von 1000 Metern liegen.
Insgesamt gibt es in Österreich mehr als 25.000 stehende Gewässer mit einer Fläche von mehr als 250 m² – natürliche Seen, künstlich angelegte Teiche, Bagger- und Stauseen. Rund 2.140 von ihnen sind größer als ein Hektar, 62 Seen haben eine Fläche von 50 Hektar; von letzteren sind 25 als „künstlich“ oder „erheblich verändert“ eingestuft.
Feuchtgebiete sind Hotspots der Artenvielfalt: Sie machen zwar nur 3 % der österreichischen Landesfläche aus, aber hier brütet ein Viertel aller heimischen Vogelarten. Von den 56 österreichischen Wasservogelarten sind 34 auf der Roten Liste gefährdeter Brutvögel.
Zurück zum Monitoring vor mehr als 30 Jahren, bei der die mehr als 25.000 stehenden Gewässer auf 888 eingegrenzt worden waren. Von ihnen wurden dann letztendlich drei Viertel beobachtet. In der Auswertung 2024/25 wurde die Zahl der untersuchten Gewässer auf etwa 200 eingedampft.
37 Prozent der Stillgewässer haben sich verschlechtert
Die Gebiete wurden, damals wie heute, in vier Kategorien unterteilt:
- national (39),
- regional (107),
- lokal bedeutend (237) und
- unzureichend bekannt bzw. unbedeutend Gebiete (259).
Als Entscheidungsfaktoren für die Zuordnung waren
- Artenreichtum,
- die Brut mehrerer gefährdeter Arten
- oder außergewöhnlich hoher Bestand einzelner Arten in einem Gebiet
herangezogen. Bei den nicht ausgewerteten Gebieten handelt es sich vor allem um Schotterteiche, aber auch um kleinere Seen bzw. Teiche.
Konkret gesucht wurde nach dem Vorkommen der 39 Zielarten, die zu 70 % auf der roten Liste stehen, also in Österreich in ihrem Bestand gefährdet sind:
Bartmeise
Blässhuhn
Drosselrohrsänger
Flussseeschwalbe
Gänsesäger
Graugans
Haubentaucher
Höckerschwan
Kleinsumpfhuhn
Knäkente
Kolbenente
Krickente
Lachmöwe
Löffelente
Löffler
Mariskenrohrsänger
Moorente
Purpurreiher
Reiherente
Rohrdommel
Rohrschwirl
Rohrweihe
Rothalstaucher
Schilfrohrsänger
Schnatterente
Schwarzhalstaucher
Schwarzkopfmöwe
Silberreiher
Spießente
Stockente
Sturmmöwe
Tafelente
Teichhuhn
Teichrohrsänger
Tüpfelsumpfhuhn
Wasserralle
Zwergdommel
Zwergtaucher
Vor mehr als 30 Jahren lagen lediglich 49 Gebiete von 383 (= 13%) der 383 Zonen von nationaler, regionaler und lokaler Bedeutung teilweise oder zur Gänze in Naturschutzgebieten. In der aktuellen Auswertung hat sich die Situation insofern zugespitzt, als dass sich die Zuordnungen verschoben haben: 37% der Gebiete haben sich verschlechtert und nur 21% verbessert.
Teichrohrsänger (82.142)
Wasseralle (12.744)
Rohrschwirl (10.175)
Mariskenrohrsänger (6.501)
Lavhmöwe (4.500)
Kleinsumpfhuhn (4.102)
Bartmeise (3.504)
Drosselrohrsänger (2.188)
Schilfrohrsänger (2.184)
Stockente (1.846)
Diese zehn Arten sind jene, von denen die meisten gesichtet worden sind.
Weniger erfreuliche Datensätze liefert die Beobachtung des Rothalstauchers. Beim Jahrzehnte zurückliegenden Monitoring sind drei Brutversuche seit 1980 dokumentiert – 1983 in Brunn am Gebirge und in der Ruster Bucht des Neusiedler Sees und 1989 dann am Traunsee. 2024/25 tauchte dieser Vogel auf österreichischem Gebiet nicht mehr auf. Gesichtet wurd er nur noch einmal – am Innstausee in Obernberg, aber auf der bayerischen Seite des Inn.
Auf intakte Schilfgürtel angewiesen
Projektleiter Remo Probst (BirdLife Österreich) zieht aus der Studie eindeutige Schlüsse aus dem Ergebnis der Gegenüberstellung der beiden Arbeiten 1991 und 2025: „Zwei Drittel unserer Sumpf- und Wasservögel stehen auf der Roten Liste oder gelten als besonders schutzbedürftig. Sie sind auf intakte Schilfgürtel und Verlandungszonen angewiesen – Lebensräume, die zunehmend unter Druck geraten.“ Der Erhalt der Arten(vielfalt) erfordere „entschlossenes Handeln und nachhaltiges Management.“
Als Instrument fordert BirdLife, dass Untersuchungen in kürzeren Intervallen durchgeführt werden sollen, um Veränderungen der Stillgewässer und der Bestandsentwicklungen zu dokumentieren.
Aus praktischen Gründen erscheine eine zeitliche Abstimmung mit der Erstellung des österreichischen Berichts gemäß Artikel 12 der EU-Vogelschutzrichtlinie sinnvoll. Eine erste Durchführung im Jahr 2030 oder 2031 wäre zweckmäßig. Denn: Der Abstand zwischen der Ersterhebung und der aktuellen Wiederholung sei mit 1988–1991 versus 2024/2025 jedenfalls zu groß gewesen.
Mehr:
Web-Link Stillgewässer in Österreich

















