In bloß zwei Monaten ist ein Antarktis-Gletscher auf die Hälfte zusammengeschmolzen. Acht Kilometer Eis gingen in acht Wochen verloren.
Klarheit hat das Überfliegen des „Hektoria“-Gletschers auf der ost-antarktischen Halbinsel gebracht. Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der University of Colorado, Boulder, und vier weitere Universitäten hatten die Satelliten-Daten stutzig gemacht. Mittlerweile ist es Gewissheit.
„Hektoria“ hat sich innerhalb von nur wenigen Monaten dramatisch verkleinert – in zwei Monaten ist fast die Hälfte des Eispanzers abgeschmolzen“, heißt es dazu in einer Veröffentlichung des „Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences“ (Cires) an der Colorado-Uni.
Kalben des Gletschers: 40-faches Tempo
An der Arbeit waren auch die Central Washington University, Swansea University, Université de Toulouse und die Carleton University in Ottawa beteiligt.
Ein Teil der Gletscherzunge ragte ins Meer und ruhte zunächst auf einem Felsen unter Wasser. Durch die Kraft der Gezeiten, die das Meer in Gletscherspalten drückte, begann die Gletscherzunge zu schwimmen, das Kalben beschleunigte sich durch den Wellengang.
Die Ausdünnung des Eispanzers hat in einem noch nicht dagewesenen Tempo eingesetzt (mit 40-fachem Tempo), und mit sechsfacher Geschwindigkeit drückte das Eis nach. Dieser Gletscherschwund in dieser kurzen Zeit ist eine Novität und ist vergleichbar mit einem Geschehen am Ende der letzten Eiszeit.
Meeresspiegel könnte schneller steigen
„Hektoria“ ist ein relativ kleiner Gletscher (185 km²), aber die nunmehr erstmals beobachtete Dynamik könnte auch bei anderen Gletschern auftreten. Solche Vermutungen werden durch eine andere Studie genährt, die im April 2023 veröffentlicht worden ist und anhand der Analyse von Ergebnissen geologischer Untersuchungen herausgefunden hat, dass in der Antarktis vor 15.000 bis 19.000 Jahren sich Ähnliches abgespielt und Gletscher sich um Hunderte von Metern zurückgezogen haben könnten. „Der Rückzug von Hektoria ist ein Schock – dieser blitzschnelle Rückzug des Eises ändert (die Vorstellung), was auch bei anderen, größeren Gletschern auf dem Kontinent möglich sein kann“, erklärte Ted Scambos, Senior-Glaziologe am Cires in Boulder. „Wenn die gleichen Bedingungen in anderen Gegenden der Antarktis auftreten, dann könnte das die Erhöhung des Meeresspiegels beschleunigen.“
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