Kohle, Gas, Öl: Mehr Geld, mehr Projekte

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Sowohl Kohle- als auch Öl- und Gas-Industrie weiten ihre Aktivitäten aus. Das zeigt eine Auswertung von 41 Umweltorganisationen.

Klimakonferenz hin, COP 30 her: Die Kohleindustrie hat im Vorjahr die Kapazitäten um 30 GigaWatt (GW) ausgeweitet. Dieser Nettozuwachs ist größer als die gesamte Kohlekraftwerkskapazität Deutschlands. Das zeigt die Aktualisierung der „Global Coal Exit List“ (GCEL). Sie wird seit 2017 veröffentlicht, jeweils im Herbst aktualisiert und mittlerweile von 600 Institutionen in der Finanz-Branche genutzt.

In der Datenbank sind Unternehmen angeführt, die Kohleprojekte neu entwickeln, Kohlekraftwerke betreiben (ab fünf GW installierter Leistung) sowie Bergbauunternehmen für Kraftwerkskohle (ab zehn Millionen Tonnen pro Jahr) und schließlich Unternehmen haben, die mehr als ein Zehntel ihrer Stromerzeugung oder ihrer Umsätze mit Kohle generieren. Die deutsche NGO „Urgewald“ ist eine von 41 Organisationen, die die Datenbank aufgebaut hat und wartet.

„Kohlechemie-Sektor wird ausgebaut“

Zur Entwicklung in der Kohlebranche meint Heffa Schücking, „Urgewald“-Geschäftsführerin: „Der Klimawandel beschleunigt sich, die Bemühungen zum Ausstieg aus der Kohleverbrennung jedoch nicht.“

Als besorgniserregend sieht sie auch die Tatsache, dass der Kohlechemie-Sektor ausgebaut werde, und das gleich in mehreren der weltweit größten Kohleproduktionsländer. In solchen Anlagen wird feste Kohle in flüssige oder gasförmige Chemikalien wie Harnstoff, Ammoniak, Methanol oder Olefine umgewandelt – wobei die Kohlevergasung in der Regel den ersten Schritt darstellt. 

Die chemische Produktion auf Kohlebasis ist umweltschädlicher als herkömmliche Verfahren auf Basis von fossilem Gas oder Öl. So verdreifachen sich beispielsweise die CO2-Emissionen bei der Herstellung von Ammoniak. Schücking: „Die Herstellung von Gas und Chemikalien aus Kohle ist die denkbar schmutzigste Art, sie zu verwerten. Hierbei werden deutlich mehr Treibhausgase freigesetzt als bei der Verbrennung von Kohle in einem Kraftwerk.“

Keine Absichten für Dekarbonisierung

China ist derzeit der Hotspot der Kohlechemie- und Kohlevergasungsprojekte. Die entsprechenden Anlagen befinden sich in der Inneren Mongolei und in Xinjiang. Die sei auch aus der Perspektive der Menschenrechte eine bedenkliche Entwicklung, zumal in diesen Regionen systematische Menschenrechtsverletzungen gegen ethnische Minderheiten dokumentiert seien, heißt es seitens von „Urgewald“.

Die GCEL eröffnet, dass derzeit 354 Unternehmen in 35 Ländern neue Kohlenminen erschließen oder bestehende erweitern werden. Die Gesamt-Förderkapazität der in der GCEL enthaltenen Minenprojekte beläuft sich auf 2,86 Milliarden Tonnen pro Jahr. Außerdem seien für die Betreiber der GCEL-Datenbank in 95 Prozent der Kohleindustrie keine Absichten für Dekarbonisierung erkennbar. Lediglich 160 haben Ausstiegstermine für alle Kohle-Projekte festgelt, 76 dieser Unternehmen hätten einen Ausstiegsplan festgelegt, „der mit dem Pariser Übereinkommen vereinbar sei. „Urgewald“-Geschäftsführerin Schückling fordert: „Finanzinstitutionen, die die Klimakrise ernstnehmen, haben nur eine Wahl: Sie müssen ihre Verbindungen zu dieser Branche kappen.“

„Urgewald“ macht zudem einen regelmäßigen Check der Klimapolitik von derzeit 1800 Öl- und Gas-Konzernen. Auch der fällt negativ aus. Die Aktualisierung der Global Oil & Gas Exit List (GOGEL), die von 270 Finanzdienstleistern genutzt wird, zeigt, dass die Branche in den kommenden Jahren 256 Milliarden Barrell Ölequivalent in Produktion bringen will. Diese Expansionspläne liegen damit um 33 Prozent höher als 2201.

„Das ist Verweigerung“

„Öl- und Gasunternehmen behandeln das Pariser Klimaabkommen wie eine höfliche Empfehlung – nicht wie einen Überlebensplan“, sagt Nils Bartsch, Leiter der Öl- und Gasrecherche bei „urgewald“. „Von einer Dekarbonisierung kann keinerlei Rede sein – das ist Verweigerung. Die Branche rast mit Vollgas auf den Klimakollaps zu.“

Laut der Datenbank seien in den vergangenen drei Jahren 60,3 Milliarden US-Dollar für die Suche nach neuen Öl- und Gasvorkommen ausgegeben worden – das 75-Fache der Summe, die Staaten bisher bereit gewesen seien, in den Loss- and Damage-Fonds einzuzahlen. Aus diesem Geldtopf werden die Behebung von Schäden- und Anpassungsmaßnahmen in Ländern bezahlt, die von den Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße getroffen werden, zu den Ursachen aber am wenigsten beigetragen haben.

Ökologisch bedenklich erscheint „Urgewald“, dass Fracking und Tiefseebohrungen forciert weerden. „Der Finanzsektor kann nicht weiter von Transformation sprechen, während er gleichzeitig fossile Expansion finanziert. Geld ist der Treibstoff, der diese Krise am Leben hält – und wir müssen die Zufuhr stoppen“, sagt Fiona Hauke, Öl- und Gasanalystin sowie Expertin für Finanzregulierung bei „Urgewald“.


Mehr:

Web-Link Szenarien der Internationalen Energie-Agentur 

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