„Kontrolle über unsere Zukunft“

(c) Pixabay

Die Nicht-Regierungs-Organisation Oxfam legt einen Ungleichheits-Bericht vor. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf. Und schneller.

Die Zahl der Milliardäre hat im vergangenen Oktober erstmals die Grenze von 3000 überschritten. Gleichzeitig geht die Diskrepanz zwischen den Super-Reichen und den Super-Armen weiter auseinander. Die englische NGO Oxfam betitelt den „Ungleichheits-Bericht“ mit „Der Regierung der Reichen widerstehen – die Freiheit von der Macht der Milliardäre schützen“.

In dem Bericht heißt es, dass fast die Hälfte der Weltbevölkerung von weniger als 8,30 US-Dollar täglich lebt. „Rund 2,3 Milliarden Menschen sind von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen.“ Seit 2015 sei diese Zahl um 42,6 Prozent gestiegen. Dagegen sei das Vermögen der Milliardäre um vier Fünftel angewachsen. Oxfam schätzt den Gesamtwert auf 18,3 Billionen US-Dollar.

Weniger Bildung, weniger Gesundheit

2025 sei es um 2,5 Billionen gewachsen. Oxfam: „Dieser Anstieg in nur einem Jahr entspricht fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung, das sind mehr als vier Milliarden Menschen.“

Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen führt auch dazu, dass ärmere Menschen weniger Zugang zu Bildung oder zur Gesundheitsvorsorge haben und auch weniger gesunde Nahrung verfügbar haben.

Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International, meint in ihrem Vorwort, dass ai in der Vergangenheit immer wieder davor gewarnt habe, dass sich der Autoritarismus ausbreiten könne – in Ländern und in der konkreten Prägung. „Jetzt sind wir mittendrin in dieser Entwicklung“, so Callamard. Ein Jahr seit der Vereidigung von Donald Trump als US-Präsidenten „sehen wir rund um den Globus, wie Menschenrechte und die Bedeutung multilateraler Zugeständnisse zurückgedrängt werden.“ Dies gefährde die hart errungenen Fortschritte der vergangenen 80 Jahre.

Philosophin schlägt „Limitarismus“ vor

Zugenommen habe auch der Einfluss der Super-Reichen, die über „beispiellose Ressourcen“ verfügte. Die würden eingesetzt, um öffentliche Meinung und Politik zu ihren Gunsten zu beeinflussen. „So entscheiden sie maßgeblich über unser aller Zukunft. Sie gewinnen die Kontrolle über unsere Zukunft.“

Oxfam fordert, dass gegen die Ungleichheit von den Regierungen konsequent Maßnahmen gesetzt werden – zentraler Punkt ist dabei eine Vermögensbesteuerung. So wird im Bericht die belgisch-niederländische Philodophin Ingrid Robeyns zitiert, die für einen „Limitarismus“ eintritt. Ab einem bestimmten Punkt sei Reichtum moralisch nicht zu rechtfertigen und werde politisch gefährlich. „So wie Gesellschaften eine Armutsgrenze definieren, um festzustellen, wann jemand zu wenig hat, sollten wir auch eine Schwelle definieren, ab der jemand zu viel hat – eine extreme Vermögensgrenze, so der Oxfam-Bericht.

Die Wahl lautet: „Reichtum oder Demokratie“

Der Bericht zitiert auch den US-Verfassungsrichter Louis Brandeis (im Höchstgericht 1916 bis 1939): „Wir müssen uns entscheiden. Entweder haben wir extremen Reichtum in den Händen weniger, oder wir haben Demokratie. Beides ist nicht möglich.“ In diesem Wortlaut ist dieses Zitat zwar nicht verbrieft – Es ist von Brandeis weder in einer offiziellen Rede gesagt noch in einer schriftlichen Unterlage geäußert worden. Als sehr wahrscheinlich gilt, dass diese Sätze, jedenfalls sinngemäß, in einem nicht dokumentierten Gespräch von Brandeis gesagt worden sind. Das untermauert die Recherche zur Zuweisung dieses Gedankens in seiner Darlegung von 2013 Peter Scott Campbell („Democracy v. Concentrated Wealth“). Demnach hat Edward Keating, Journalist und Kongress-Abgeordneter aus Colorado, einen Gedanken Barndeis’ in diese Sätze gegossen. Keating und Brandeis waren befreundet.

Campbell führt aus, dass diese Formulierung, die Brandeis’ zugerechnet wird, inhaltlich einer (verbrieften) Aussage Brandeis’ sehr nahekommt, der in einer Rede 1905 in der Harvard Ethical Society gesagt hat: „Die Menschen beginnen zu zweifeln, dass politische Demokratie und industrieller Absolutismus in einer Gesellschaft gleichzeitig existieren können.“

Und 28 Jahre später schreibt Brindeis in einer Urteilsbegründung (Louis K. Liggett Co. v. Lee, 288 U.S. 517, 580): „Es herrscht die weitverbreitete Überzeugung, dass die bestehende Arbeitslosigkeit zu einem großen Teil auf die eklatante Ungleichheit in der Vermögens- und Einkommensverteilung zurückzuführen ist, die von Großkonzernen gefördert wurde. Und dass nur durch die Beteiligung der Vielen an den Verantwortlichkeiten und Entscheidungen der Wirtschaft die Amerikaner die moralische und intellektuelle Entwicklung sichern können, die für den Erhalt der Freiheit unerlässlich ist.“


Mehr:

Web-Link  Oxfam-“Unsummen-Uhr“:

Web-Link Reisting the Rule of the Rich

Web-Link Resisting the Rule of the Rich – Methodologie 

Web-Link Die Zerreißprobe 

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