In vielen Regionen ist das Wasser knapp – nicht zeitweise, sondern andauernd. Das zeigt eine Studie der Universität der Vereinten Nationen in einem aktuellen Bericht.
Der Begriff ist ungewöhnlich, aber angebracht, meint Kaye Madani, Lead-Autor von „Globaler Wasser-Bankrott – Leben jenseits unserer hydrologischen Mittel in einer Zeit nach der Krise“. Madani ist Direktor des Universitäts-Instituts der Vereinten Nationen für Wasser, Umwelt und Gesundheit.
„Wasser-Bankrott“ ist ein eher ungewöhnlicher Begriff, wenn von Wasser und Umwelt die Rede ist, dann sind häufig „Krise“, vielleicht auch „Stress“ die Begrifflichkeiten. Das aber hält Madani für nicht angebracht: Denn „Wasser-Stress“ steht für einen Druck, der verringert werden könne; und „Krise“ stehe für einen akuten Beeinträchtigungen, die überwunden werden können.
In vielen Regionen sind Verringerung und Überwindung des derzeitigen Zustands nicht mehr möglich – etwa dann, wenn Grundwasser vergiftet ist. „Mittlerweile haben genügend Wasser-Systeme die Grenze überschritten.“
Zentrale Punkte für Verbesserung
Also: Wasser-Bankrott. Diese Wasserssysteme machen an keinen politischen Grenzen Halt, sie sind miteinander verbunden durch Handel, Migration, Reaktionen des Klimas und geopolitische Abhängigkeiten.
Bevor das Ausmaß des Problems mit dem Wasser dargestellt wird, arbeitet Madani vier wesentliche Punkte heraus, die zumindest eine Verbesserung der Situation ermöglichen können.
Der Schutz von Wasser-Ressourcen ist nur möglich, wenn die Kreisläufe des Wassers, das damit verbundene Natur-Kapital nicht unterbrochen oder beschädigt werden.
Wasser kann als Brücke wirken, das Vertrauen und Einigkeit zwischen benachbarten Nationen stiften.
In Wasser zu investieren bedeutet auch in die Verringerung des Klimawandels, des Biodiversitäts-Verlusts und der Ausbreitung von Wüsten zu investieren.
Eine verstärkte globale Anstrengung zur Sicherstellung von Wasser-Ressourcen kann ermöglichen, dass lokaler Bedarf mit langzeitigen globalen Zielsetzungen verbunden werden kann.
Warum Bankrott?
Die am stärksten betroffenen Regionen sind der Mittlere Osten und Nordafrika: Hier liegt ein hoher Wasser-Stress vor, die Gebiete sind durch die Klimaänderung besonders gefährdet, die landwirtschaftlichen Eträge sind gering, es gibt Sand- und Staub-Stürme. Global betrachtet kennzeichnen die Situation diese Faktoren:
- Die Hälfte der großen Seen verlieren Wasser seit den frühen 1990er Jahren. Die Wasserversorgung eines Viertels der Menschheit hängt von diesen Seen ab.
- Die Hälfte der globalen Wasserversorgung hängt von Grundwasser ab
- Mehr als 40 Prozent des Wassers, das für Bewässerung in der Landwirtschaft verwendet wird, stammt aus dem Grundwasseranreicherung
- 70% aller großen Grundwasservorkommen werden geringer
- In den vergangenen 50 Jahren sind 410 Millionen Hektar natürlicher Feuchtgebiete verloren gegangen – die Flcähe entspricht beinahe der Flächer der EU.
- Ein Dutzend große Flüsse erreichen zumindet für einge Zeit im Jahr nicht mehr das Meeresquellen
- 100 Millionen Hektar landwirtschaflich genutzter Flächen sind durch Versalzung beeinträchtigt
Die Folgen für Menschen
- Drei Viertel der Menschheit lebt in Regionen, in denen die Versorgung mit Wasser unsicher oder kritisch ist
- Einige Städte sinken deshalb um 25 Zentimeter pro Jahr ab
- Vier Milliarden Menschen sind zumindest einen Monat lang ausgeprägter Wasser-Armut ausgesetzt.
- 170 Millionen Hektar bewässerten Ackerlands stehen unter „hohem oder sehr hohen Wasser-Stress“ – das entspricht der Fläöche von Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland zusammen.
- 5,1 Billionen US-Dollar macht der Schaden aus, der durch den Verlust von Öko-System-Leistungen von Feuchtgebieten entsteht.
- Drei Milliarden Menschen leben in Gebieten, wo die Wasserversrgung abnimmt oder instabil ist. In diesen Gebieten wird die Hälfte der globalen Lebensmittel erzeugt.
- 307 Milliarden Dollar mach der jährliche Schaden global aus, der durch Dürre-Perioden ausgelöst wird
- 2,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und 3,5 Milliarden haben keinen Zugang zu hygenischen Sanitär-Einrichtungen
Madani: „Landwirtschaft ist der Bereich, in dem am meisten Frischwasser verwendet wird. Das System der Versorgung mit Lebensmitteln sind durch Handel und Preise global verbunden. Wenn Wasser-Knappheit die Lebensmittel-Versgung beeinträchtigt, dann beeinflusst dies globale Märkte, politische Stabilität und die Versorgungssicherheit. Darauf benötigen wir eine andere Antwort: kein Krisen-Management mehr, sondern ein Management des Bankrotts.“
Mögliche Auswege
Konkret schlägt der Bericht vor,
- dass künftig vermieden wird, irreversible Schäden anzurichten (Zerstörung von Feucht-Gebieten, Grundwasser-Verschmutzung
- Rechte, Ansprüche und Erwartungen neu bewerten, um sie den vorhandenen Kapazitäten anzupassen
- gerechte Übergängen für jene schaffen, deren Wasser-Verbrauch sich ändern muss
- Wasser-intensive Sektoren (Landwirtschaft, Industrie) transformieren
- Monitoring ausbauen und Institutionen schaffen, die eine ständige Anpassung an die tatsächlichen Wasser-Vorkommen ermöglichen
Madani: „Wasser-Bankrott ist nicht nur eine Frage der Wasserversorgung, sondern auch ein juristisches Thema mit tiefgreifenden sozialen und politischen Auswirkungen.“
Der Wissenschaftler schließt damit, dass „der Bericht nicht ein Ausdruck der Hilflosigkeit ist. Die Bankrott-Erklärung bedeutet nicht aufzugeben, sondern – im Gegenteil – die Dinge noch einmal in Angriff zu nehmen. Ein Neustart!“
Mehr:
Web-Link Global Water Banruptcy Report 2026
Web-Link Studie im journal Water Resources Management

















