Wie viel Unwetter geht auf Kosten des Klimawandels? Diese Frage beantwortet ein Forschungsteam des Imperial College in London.
Konkret haben die Expertinnen und Experten die Hitzewelle analysiert, die zu Jahresbeginn in Australien geherrscht hat. In New South Wales wurden Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius gemessen. Das war umso verwunderlicher, zumal es sich zu diesen Hitzetagen während einer „La Niña“-Periode kam – üblicherweise beschert das abkühlende Wetterphänomen „La Niña“ dem Süden Australiens mildere Temperaturen.
Ein Viertel mehr in der Notaufnahme
In Melbourne wurde am Flughafen ein Spitzenwert von 44,4 Grad gemessen. Eines der Krankenhäuser dieser Großstadt meldete um ein Viertel mehr Menschen in der Notaufnahme, die wegen Beschwerden ins Spital gekommen waren, denen das Hitzewetter gesundheitlich zusetzte. Die Hitze ging einher mit starken Buschfeuern in Victoria, worauf dort der Notstand verhängt worden ist.

Die Analyse von „World Weather Attribution“ in London fokussierte auf die drei heißesten Tage dieser Hitzewelle, die am 5. Jänner begann und am 10. Jänner endete. Hitzewellen verursachen in Australien mehr Todesfälle als alle anderen Naturgefahren zusammen.
Einmal alle fünf Jahre…
Bereits in früheren Hitzeperioden haben Sydney und Melbourne eine signifikant höhere Belastung des Gesundheitssektors gemeldet. Betroffen waren in erster Linie ältere Menschen, die in Häusern löeben, in denen es keine Kühlung gibt. Gefährdet sind außerdem Outdoor-Arbeitende und Menschen, die an Herz- Kreislauf-Beschwerden leiden.
Angesichts des Klimas, das gegenüber den vorindustriellen Jahrzehnten (1850 bis 1900) heute eine um 1,3 Grad Celsius höhere Durchschnittstemperatur hat, treten Hitzewellen in Australien in einer Häufigkeit von einmal in allen fünf Jahren auf, „zumindest“, wie ergänzt wird.
..oder alle ein bis zwei Jahre
Bei einer Erhöhung der Durchschnittstempeartur von 2,6 Grad gäbe es solche Hitze-Ereignisse alle ein bis zwei Jahre. Das derzeitige Tempo, in dem Maßnahmen gegen die Klimakrise ergriffen werden, hätte zur Folge, dass die globale Durschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um 2,6 Grad stiege.
Denn: Im südlichen Pazifik sind die Unterschiede zwischen tatsächlich gemessenen Wetter-Parametern und Klimamodellen tendenziell geringer als in anderen Weltregionen, sodass die Modelle geringere Änderungen bei Wahrscheinlichkeit und Intensität der Hitze anzeigen.
1,6 Grad mehr
Ohne die 1,3-Grad-Erwärmung käme es zu einer solchen Hitzewelle einmal in 25 Jahren. Die Intensität der Hitzewelle hat außerdem zugenommen – die Spitzenwerte liegen um 1,6 Grad höher als wenn es die 1,3 Grad-Erwärmung seit 1900 nicht gegeben hätte.
Die Intensität der Hitzewelle ist auch deshalb bemerkenswert, weil dies parallel zu „La Niña“ ereignete. Dieses Wetterphänomen hatt das Auftreten der Hitze um 20 bis 45 Prozent weniger wahrscheinlich gemacht – und die Spitzenwerte um 0,3 bis 0,5 Grad Celsius reduziert.
Auf technischer Seite ist die Region mittlerweile besser auf derartige Wetterlagen vorbereitet – um die Mittagszeit lieferten Photovoltaik-Anlagen 60% des Stroms. Dadurch konnte der Betrieb von Kühlaggregaten sichergestellt werden.
„An neue Realitäten anpassen“
Friederike Otto, Professor für Klimawissenchaften am Centre for Environmental Policy, Imperial College London: „Bei einem Ereignis von einmal in 25 Jahren kann sich eine Gesellschaft erholen, während bei einer Hitzewelle alle ein bis ein bis zwei Jahre sich die Betroffenen im Zustand einer ständigen Krise befänden.“ Und: „Wir haben die Möglichkeiten, die weitere Verschlimmerung abzuwenden. Aber die Studie zeigt auch, dass die gegenwärtige Politik der Welt versagt, Australien zu bewahren, eine ständige Frontlinie der extremen Hitze zu sein.“

Emmanuel Raju, Direktor des Zentrums für Katastrophen-Forschung an der Universität Kopenhagen: „Hitze ist Australiens „silent killer“. Wenn solche Hitzewellen häufiger auftreten, dann tragen die Last vor allem die am stärksten Verwundbaren: die Älteren, jene die in mangelhaften Gebäuden wohnen, die keine Kühlung haben und Menschen mit Vorerkrankungen. Wir müssen dringend unsere Städte und unser Gesundheitssystem an die neuen Realitäten anpassen.“
Sarah Perkins-Kirkpatrick, Professor für Klima-Wissenschaften, Fenner Schoolfür Umwelt und Gesellschaft an der „Australian National University“: „Wir haben es hier nicht mit einer kleinen Änderung in einer Statistik zu tun, sondern mit einer völligen Änderung des Australischen Sommers. Wir reden nicht mehr von einer Gefahr in der Zukunft. Es ist jetzt eine Realität unseres heutigen Klimas.“

















